August 2020

Na. Was ist mir denn in diesem Sommer für eine Torheit eingefallen? Bin selber immer überrascht, was mir alles so Interessantes über den Weg läuft.

Auf dem Laudate Dominum im Februar hat eine Volksmusikgruppe zum Tanz aufgespielt. Eine der Musikantinnen hat auf einem Hackbrett gespielt. Ich war sehr fasziniert von dem feinen, leisen, silbrigen und zarten Klang. Einer der Amerikaner mit dem ich tanzte, sagte im Englischen wird es "Dulcimer" genannt. Ist das nicht ein viel schönerer Name für dieses Instrument?

 

In einem meiner Chöre gibt es ein Mitglied, der unfassbar viele Musikinstrumente in seinem Haus beherbergt und sie auch fast alle bespielen konnte. Unter anderem hat er ein vierchöriges Hackbrett, welches er mir nun leihweise zur Verfügung gestellt hat. In einem meiner anderen Chöre gibt es eine Altistin, die so gut wie jedes flötenähnliche Instrument (von der Okarina über Querflöte bis hin zur Klarinette) unterrichtet, zudem Gitarre und auch das Hackbrett.

Sie hatte Lust mich in ihrer Freizeit zu unterrichten und einen kleinen privaten Sommerkurs mit mir zu veranstalten. Ich mußte mir neue Schlägel kaufen, denn die vorhandenen waren nicht so gut geeignet.

 

Bis unser Unterricht begonnen hatte, habe ich selbst versucht mich mit der Tonverteilung vertraut zu machen. Es ist ein Salzburger, also ein chromatisches, Hackbrett. Dem Instrument wurden Schablonen beigelegt auf denen man überprüfen kann, wo welche von den Tönen liegen.

Ich habe mir, ja nun also, "Beautiful Love" dafür vorgenommen. Es ärgert mich nach wie vor, das ich an diesem Lied so krachend gescheitert bin. Dachte mir, vielleicht kann ich es auf die Art von hinten einkreisen, um es dann irgendwann doch mal auf dem Klavier hinzubekommen. Ging so einigermaßen, man hat es von der Melodie her ungefähr erkennen können.

Meine Lehrerin meinte zwar trocken nach meinem stolzen Vorspiel, man könnte bei diesem Stück doch die Tondauern insgesamt und den Rhythmus etwas mehr beachten!
Aber so ganz generell wäre es eher ein Instrument mit dem man Stubnmusi machen würde, und es sei bestimmt erst mal besser in dieser Richtung etwas Erfahrung zu sammeln. Hat mir zwingend eingeleuchtet.

 

Hack1So haben wir das Projekt „Hupf umi“ von Tobi Reiser gestartet. Es ist eine bayrische Polka und besteht aus drei Teilen. Erster Teil, zweiter Teil, dann wird Teil 1 wiederholt und mit Teil drei beendet. Erster und dritter Teil fielen mir leichter. Beim Mittelteil bin ich immer verloren gegangen. Meine Lehrerin hat mir erklärt das würde daran liegen, daß das Hackbrett in diesem Teil von der Melodie in die Begleitung wechselt und zusätzlich auch in eine andere Tonart. Fand ich sehr interessant das es eine logische Erklärung für meine Schwierigkeiten gab. Im Notenheft spielt noch eine Gitarre und eine Zither dazu.

 

Beim Erlernen des Stückes hat sie mir empfohlen die Schablonen mit den Noten herauszunehmen. Es gibt Punktmarkierungen an bestimmten Stellen. Das wären die Halbtöne und an dieser Stelle wechseln die Töne auf die andere Seite. Im ersten Moment befürchtet man, das man sich das nie im Leben merken kann. Aber man findet sich recht schnell zurecht.

 

Im Unterricht spiele ich auf einem dreichörigen Hackbrett. Das wären heutzutage die üblichen Instrumente. Das Stimmen von einem vierchörigen dauert sehr lange, deshalb werden inzwischen die dreichörigen bevorzugt.

Aus diesem Grund habe ich anfangs bei ihr immer ein kleines Problem. Die Position der Saiten auf meinem Leihinstrument sind an anderer Stelle als auf ihrem Instrument. Ich brauche eine ganze Weile bis ich mich umorientiert habe.

 

Angeblich gibt es nun auch schon zweichörige Hackbretter. Das wäre eher welche für die Reise, weil sie kleiner sind. Sie findet aber, das sie dann zu dünn im Klang werden.

Das Schöne an einem Hackbrett sei doch der feine Klang, der den Musizierenden geradezu umhüllt. Das Instrument steht hinten leicht erhöht, das heißt die Klangwolke kommt dem eigenen Körper entgegen und umfängt einen. Das wäre bei keinem anderen Instrument so. (Siehe Bild oben! Steht im Flur, so das ich immer mal im Vorübergehen schnell spielen kann. Zusätzlicher Pluspunkt, man übt im Stehen, was mit meiner Bandscheibenproblematik ein Vorteil ist. Sitzen ist immer noch nach einer Weile unangenehm.)

Weiter sagt sie, das es für klassische Musiker häufig sehr schwierig ist, sich in der „echten“ Volksmusik zurecht zu finden. Die Instrumente in einem Trio beispielsweise würden jeweils in unterschiedlichen Tonarten spielen und das bereitet einem klassisch geschulten Musiker Schwierigkeiten. Er gerät in Verwirrung. Sie konnte nicht sagen wie Jazzer damit klar kommen. Das entzieht sich ihrer Kenntnis. Was die Jazzer aber bei diesem Instrument nicht so sehr mögen, ist, das die Töne gerne nachschwingen. Da müßte man oft abdämpfen und das ist auf Dauer für einen Musiker schwierig.
Im übrigen sieht es hübsch aus, wenn sie spielt. Sie kann die Schlägel so anmutig und tänzerisch anschlagen, das gefällt mir sehr.

 

Ja. Dieser kleine Exkurs in die Volksmusik, das Bekanntwerden mit diesem wunderschönen Instrument hat mir viel Spaß gemacht.

Aber nun? Wie geht es weiter? Es ist die Verrücktheit hoch 3, wenn ich jetzt auch noch zusätzlichen Unterricht im Hackbrettspielen nehmen würde.

Ein bisschen cool wäre es aber schon! Klavierunterricht an einer Jazzschule, klassischer Klavierunterricht und dann auch noch Stubn Musi.

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