März 2020

Wieder mal hat mein klassischer Klavierpädagoge zu einem interessanten Konzert eingeladen. Er und eine wunderschöne junge Geigensolistin haben gemeinsam das Programm bestritten. Die beiden haben schon einige Konzerte hinter sich und harmonisieren sehr gut miteinander. Ich bin nicht sicher welcher von beiden der treibende Faktor in dem Duo ist, vermuten würde ich mal: sie.
Für ihn ist es auch aus gutem Grund eine ideale Konstellation. Sein Vater war Geigenvirtuose und sie haben in der Vergangenheit im In- und Ausland gemeinsame Konzerte bestritten. Das heißt, er ist von Jugend auf gewohnt dieses Instrument in seiner vorausschauenden und feinfühligen Art und Weise zu begleiten. Nebenbei gesagt war seine Mutter Sängerin und seine Frau ist Flötistin. Ich glaube, ich habe schon mal erwähnt, das er aus einer sehr musikalischen Familie stammt und möglicherweise mit seinen Kindern diese Tradition weiterführt.

 

Zu diesem Konzert habe ich meine Mutter eingeladen. Sie kommt nach wie vor nicht damit klar das ich so irrsinnig bin und in meinem Alter noch mit dem Klavierspielen angefangen habe. Sie frägt regelmäßig nach, ob ich nicht endlich mit diesem Unsinn Schluss gemacht hätte. Und mich dann besser um die wirklich wichtigen Dinge im Leben kümmere.
Ich dachte mir, es könnte gut für sie sein, sich ein Gesicht hinter meinen Erzählung vorstellen zu können. Nachdem das Konzert in einem kleinen Rahmen abgehalten wird, würde sich eine kleine Begegnung zwischen Künstler und meiner Mutter bestimmt arrangieren lassen. Rückblickend hat sie in ihrer Impulsivität für einige irritierende Momente gesorgt. Ich bin nicht sicher ob ich sie noch mal auf ein weiteres Konzert mitnehmen werde!

 

Ein Teil seiner Familie war aus Frankreich da und hat für französisches laissez faire im Konzertraum gesorgt.

 

Das Programm: Mozart, Josef Suk und Guillaume Lekeu. Von beiden letzteren habe ich noch nie gehört. Suk hat mir am besten gefallen. Etwas schräg, überraschende Wendungen, fast ein wenig impressionistisch.
Lekeu feiert in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag und das zeigt den Witz der beiden auf, die einen Gegenpol zum allgemeinen 250sten Beethovenjubel in diesem Jahr setzen wollen. (Ganz im Vertrauen, ich hatte am 6.Januar schon die Nase voll von diesem Gedenkjahr. Das schreibe ich aber nur ganz klein, damit die wahren Liebhaber von van B. von diesem Bekenntnis nicht erschreckt werden.) Sein Vater hat im Gespräch erwähnt wie schwierig dieses Stück zu spielen sei. Die beiden hatten es vor Jahren schon einmal aufgeführt.

IMG 20200321 152311Es gefällt mir ihn zu beobachten, wenn er in seinem Element ist. Seine Spielfreude ist so deutlich zu erkennen. Die Miene und die Körperhaltung drücken sein Temperament aus. Ich bemerke dies zwar auch im Unterricht, aber ihn auf der Bühne zu betrachten vervollständigt das Bild, das ich von ihm habe. Er wirkt entspannt denoch souverän.
Lampenfieber gehört zu Geschäft sagt er, ich kann davon allerdings nicht viel bemerken.

 

Die Atmosphäre in der Seidl Villa in Schwabing ist dem Steinwayhaus vorzuziehen. Viel gemütlicher und heimeliger. Zu Schulzeiten hat eine liebe Klassenkameradin vis a vis davon gewohnt.

 

Der Neid in mir ist groß, wenn ich ihn so virtuos spielen höre und sehe. Wie er diese schwierigen Werke im Duett mit soviel Gefühl und Leidenschaft spielt, das nötigt mir großen Respekt ab.

Es ist mir aber auch weiterhin ein Rätsel wie man sich als Lehrer von diesem hohen professionellen Level auf solch ein niedriges Anfängerlevel wie dem meinen einlassen kann. Es muss schmerzhaft für einen Könner sein, wenn ein Schüler wie ich so lange und hartnäckig herumstümpert. Meist geniert es mich nach seinen Konzerten, weil in mir so viele Baustellen, so viele rhythmische Ungenauigkeiten und solch ein chaotisches Unwissen vorherrscht.

OH. Ich schreibe besser, es herrscht noch vor. Es kann und wird sich ja peu a peu ändern. Weil ich ja weiter lernen möchte, üben werde und nicht mehr so schnell verzagen soll. Die Baustellen sind von heute. Und werden schon morgen, nächste Woche oder in einem halben Jahr abgebaut werden!

 

Die drei ersten Burgmüller Etüden kann ich auswendig. Meistens jedenfalls. In der letzten Stunde habe ich mich an einer Stelle immer wieder verspielt und bin dann danach total verloren gegangen. Sollte von Takt Irgendwas weiterspielen, habe aber so gut wie keine Note mehr dechiffrieren können. Wie unangenehm! Ich denke mir es liegt daran, das ich sie auswendig kann. Mich beim Verspieler oder Hänger, weil noch generell notenunsicher, an der Stelle nicht mehr in dem Heft orientieren kann.
Es ist ja nicht so, das ich zur Nervosität „Hello and welcome to me“ sage. Ist einfach so. Muss und werde sie akzeptieren. Denn vielleicht bessert sich das eines Tages ja.

 

Am liebsten spiele ich momentan die vierhändigen Diabelli Sonatinen. Da werde ich durch die Begleitung in meiner Geschwindigkeit geleitet. Fühle mich an der Hand genommen. Und das macht Spaß. Ich habe mich in der zweiten Sonate schon ein wenig mit der Notenverteilung vertraut gemacht und werde sie in einer der nächsten Stunde offiziell als „eröffnet“ anspielen.

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