Juli 2019
Auch die Zeit mit meinem Jazzpiano Dozenten geht nun zu Ende. Er hat mir bereits vor einiger Zeit mitgeteilt, dass er sich im kommenden Schuljahr ganz auf seine Gitarrenschüler und die theoretischen Unterrichtseinheiten konzentrieren möchte. Er braucht Zeit um diese Stunden vorzubereiten und für den Inhalt des Pianounterricht zu sorgen bedeutet für ihn wesentlich mehr Aufwand als für den Gitarrenunterricht.

Das kann ich gut verstehen und hoffe aber gleichzeitig auch, daß das wirklich der einzige Grund ist. Und das nicht mein mangelndes Talent zu dieser Entscheidung führen musste. Er ist ein so feinfühlender Mensch und Musiker und ich befürchte das ihn meine Verzweiflungsattacken und Nervenzusammenbrüche zu sehr mitgenommen haben.

In mir reift erneut Furcht vor einem neuen Dozenten. Von dem ich jetzt noch nicht weiß ob er/sie geduldig mit mir umgehen und meine Unwissenheit und Nervosität mit der gleichen ruhigen Beharrlichkeit übergehen kann wie mein bisheriger.

Es stellte sich die Frage ob ich einen Newcomer-Dozenten engagieren soll oder wieder einen Berufsdozenten. Im Prinzip finde ich ja die Newcomer-Dozenten interessanter, weil sie noch jung und sehr motiviert sind. Auf meine Nachfrage, ob ich denn ein weiteres Mal einen Schüler, weil das sind sie im dritten Lehrjahr noch, mit meinen Allüren erschrecken soll, wurde etwas vage geantwortet. Im Sinne von: nun ja, also diese hätten ja noch kein belastbares Unterrichtskonzept ausgearbeitet und deswegen wäre in meinem Fall ein Berufsdozenten vorzuziehen. Hmhm soso! Deshalb also ging meine Anfrage nach einen Berufsdozenten ans Sekretariat. Aber vorerst bleibt es spannend, weil die Verteilung von Schüler und Lehrer und der Stunden im alten Schuljahr noch nicht geklärt werden konnte.

Rückblick: in unserer letztjährigen „letzten“ Stunde hatte ich mir gewünscht ihn an der Gitarre spielen zu hören. Wegen meiner Schulterentzündung hatte ich solch starke Schmerzen das ich eh nichts hätte machen können. Und auch kaum in der Lage war in jener Stunde auf diesem wirklich sehr unbequemen Klavierhocker zu sitzen. In diesem Jahr, in unserer diesjährigen letzten Stunde, bin ich sehr glücklich, das ich mich bis auf wenige Einschränkungen bei der ventralen Innenrotation wieder fast normal bewegen kann. Der ganze Schmarrn hat wirklich fast ein volles Jahr gebraucht um einigermaßen auszuheilen.

Ich hatte wieder einen Wunsch an meinen Dozenten. Ich habe mir die Noten von seiner wunderschönen Komposition erbeten, die er mir im vergangenen Jahr auf dem Klavier vorgetragen hatte. Vielleicht bin ich eines Tages mal soweit und kann dieses kleine Werk tatsächlich auch spielen.

Was mich ein wenig traurig macht und auch verunsichert, ist das ich durch meinen klassischen Unterricht nicht erkenn- oder hörbar im Jazzunterricht profitiere. Von dieser Hilfe und Unterstützung von außen für uns beide, habe ich ihm nie erzählen können. Es hat sich dazu einfach keine Gelegenheit ergeben.

Zwar weiß ich das ich die Noten nun leichter finde. Aber strukturell ändern meine zusätzlichen Kenntnisse leider nichts an meiner Schwerfälligkeit mit den Akkorden und dem Improvisieren umzugehen. Ich sitze nahezu in fast jeder Stunde in der Jazzschule wie der erste Mensch vor einem Klavier.

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