piano 1522856 1920Für die zweite Stunde sollten wir den Übungsraum wechseln. Im anderen steht kein Flügel mehr. Mein Dozent mußte die vier Musiker rauswerfen die dort gerade geprobt hatten. Sie wirkten nicht glücklich das Zimmer verlassen zu müssen. Scheinbar sind freie Räume in der Schule Mangelware und sie waren hörbar richtig in Fahrt.

Habe das "Meeresrauschen" vorgespielt. Mich dabei immer wieder vergriffen. Zuhause hatte das eigentlich schon ganz gut geklappt. Es hätte mir gefallen gleich eine fehlerfreie Probe meines Übens abzuliefern. Bin ein wenig enttäuscht von mir.

Meine Hausaufgabe mit der Improvisation. Habe mir eigene Tonfolgen zu den einzelnen Akkorden ausgedacht. Viele wieder verworfen. Zu manchen haben meine eigenen Ideen ganz gut gepasst, bei anderen ging es einfach nicht schöner als die Vorschläge die mein Lehrer gesetzt hat. Die habe ich dann einfach gleich gelassen. Ich fand das ich manches Mal sogar ein wenig die Stimmung aus den Orginalnoten reproduzieren konnte. 

In dieser zweiten Stunde habe ich loswerden müssen, das ich das schon sehr ambitioniert von ihm finde, mir nach der ersten Stunde eine Improvisation und "Komposition" aufzubürden. Da hat er nur fein gelächelt und mir die nächste Aufgabe zugeteilt: alle sieben Drei-Klang-Akkorde mit der ersten und zweiten Umkehrung kennenzulernen und zu verinnerlichen. Puh, das sind ganz schön viele. Und weitere neue und passende Töne für das "Meeresrauschen"  finden. Jetzt kapiere ich auch ein bisschen besser die unterschiedlichen Akkorde in dem Lied, weil dort die Grundlage oder eine der beiden Umkehrungen untergebracht sind.

Meine Hausaufgabe diesmal: ich soll die einzelnen Akkorde mit den nächstliegenden verschmelzen. Die Töne die gleich sind bleiben gleich, es kommen nur die neuen dazu. Ist es zu fassen wie ungelenkig meine Finger sind? Wenn sie schon in der richtigen Position sind, dann greift einer daneben oder ich treffe auf zwei Tasten.
Zweite Aufgabe: Notenpapier kaufen. Habe entdeckt das es Notenhefte mit Hilfslinien gibt für die Noten die außerhalb der Systeme sind. Das könnte für mich hilfreich sein.

In das Heft soll ich mehrere Akkorde mit ihren Umkehrungen aufschreiben. Fand ich gar nicht so schwer. Nach einigen Tagen dämmerte es mir; "Seltsam, das ich so eine banale Hausaufgabe bekommen habe". Dann ist mir wieder eingefallen das die Aufgabe dieses "Verschmelzen" war. In der Grundstellung war es ja noch gar nicht so schwierig, aber in der ersten Umkehrung konnte ich mich nicht so weit bringen, dies zu Papier zu bringen. Das scheint zu abstrakt für mich, mein Gehirn will sich nicht soweit verbiegen.
Deshalb habe ich meinen ehemaligen Chorleiter angesprochen und um Hilfe gebeten. Er hat sie in Sekunden in die Zeilen reingemalt und dann gemeint, das sei ja schon erweiterte Harmonielehre was ich da machen würde. Wie lange ich denn schon Unterricht nehmen würde? Als ich gesagt habe das nächste Woche meine dritte Stunde stattfindet, hat er recht überrascht geschaut und lieber mal nix dazu gesagt. Die zweite Umkehrung musste ich dann allerdings alleine lösen, die wollte er mir leider nicht auch noch aufschreiben.

Ich übe eigentlich jeden Tag, allerdings nie lange. Wenn ich Wasser erhitze um den Tee fürs Frühstück zu zubereiten, reicht diese Zeit grade um zweimal das "Meeresrauschen" zu spielen. Beim Tee ziehen lassen ebenso. Toller Tip. Danke Miri! Interessanterweise spielt es sich morgens so halbert schlaftrunken oft besser als wenn ich von der Arbeit aufgedreht heimkomme.

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