Leider fordern die Akkorde ihren ersten Tribut: leichte Schmerzen und Überlastungserscheinung am linken Handgelenk. Obwohl ich nie sonderlich lange am Klavier sitze und übe. Regelmäßig unterbreche um zu entspannen. Der Wechsel der Finger von einem Akkord zum nächsten dauert immer so lange, dabei verharrt die Hand wohl zu verkrampft in dieser noch ungewohnten Position. Mein Gehirn versucht einen Befehl zu formulieren, aber bis der Gedanke in den Fingern ankommt, vergehen Stunden. Ich fürchte ich bin da ziemlich schlafmützig und ungeschickt veranlagt. 

In der Schule finden gerade Prüfungen statt. Man nimmt beim Betreten der Schule sofort eine andere Atmosphäre wahr. Angespannter, stiller, dichter. Ich habe Sorge ob meinem Dozenten unsere Unterrichtsstunde nicht zuviel Energie kostet. Ich bin ja nicht ganz unkompliziert! Oder Zeit, die er bräuchte, sich um seine schulischen Angelegenheiten zu kümmern. Er findet gute Worte um mir meine Sorge auszureden, aber ganz überzeugt hat er mich nicht. Er sagt, das viele seiner Mitstudenten zur Zeit ebenfalls Probleme mit den Gelenken und Sehnen haben. Ein jeder von ihnen muß zum selbstgewählten Instrument zusätzlich Klavier als Zweitfach nehmen und diejenigen die Gitarre als Hauptfach haben sind in der derzeitigen praktischen Prüfungssituation besonders gefährdet.

Meine Aufgabe in dieser Stunde: die Akkorde in dem hübschen Lied mit eigenen Tönen für die rechten Hand zu versehen. Kann ich nicht aus dem Stegreif. Dafür brauche ich Zeit und Ruhe, muss mich zu Hause damit beschäftigen. 

Daheim. Ich komponiere! 10 Takte! Und die gefallen mir eigentlich ganz gut. Obwohl ich mir ja immer nichts zutraue und selbstkritisch bin. Und ich habe gar nicht lang dafür gebraucht. Das ging quasi in einem Rutsch und hat nicht länger als eine Viertelstunde gedauert. Ich notiere sie in meiner Geheimschrift, was eigentlich nicht geduldet ist. Ich sollte sie sauber in das Notenheft hineinmalen. Die Zeilen sind ja echt eng beinander und da ist genaues Arbeiten erforderlich. Und ein gespitzter Bleistift. Sehr wichtig: ein guter Radiergummi, weil ich mich mit den Noten immer vertue und alles wieder ausradieren muss.

Ich notiere die Noten lieber in ein normales Heft. Gebe bspw. c - d - e ein. Setze eine Zahl wie 1, 2 oder 4 dahinter,  (Ganze, Halbe oder Viertel) : z.B. c2 d2  |  e2 d4 d4  | usw. Dann habe ich mathematisch gesehen einen Vier/Viertel Takt. Es leuchtet mir aber schon ein, besser die Noten in der üblichen Weise in das dafür vorgesehene System einzutragen. Schließlich übe ich ja auch lieber aus solchen Noten. 

Ein bisschen bin ich stolz auf mein kleines Werk. Ich habe mir eine rhythmische Besonderheit ausgedacht. Bin ehrlich gespannt wie die ankommt. 

20180507 184912Nach weiteren Tagen. Nun habe ich ein echtes Problem mit dem gesamten linken Arm. Schulter schmerzt, Tennisellenbogen,  Schmerzen am Handgrundgelenk, Schmerzen am Zeigefingergrundgelenk. Sicherlich bedingt durchs Alter, durch die Arbeitsüberlastung, abgesehen vom Handgelenk. Das mag schon vom Klavierspielen kommen. Mit Kurzzugbandage das Handgelenk fixiert, leider zu fest, deshalb die Probleme am Zeigefinger. Selber schuld.

Nun lasse ich den Klavierdeckel erstmal zu.

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Unsere nächste Klavierstunde findet tatsächlich erst zwei Wochen später statt. Ich falle als erstes wegen meiner Gelenkprobleme aus. Dann gibt es eine weitere Woche Pause wegen der Sehnen- und Überlastungserscheinungen von meinem Dozenten. Auch er hat zuviel geübt! Ich vergesse immer das er noch Schüler/Student ist und einen Abschluss erwerben möchte. Er scheint so ruhig und sicher zu sein, ist sehr strukturiert und klar in seiner Unterrichtsweise. Während ich mich im Vergleich als schwer von Begriff, ungeschickt und tolpatschig fühle. Ach.

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