Juni 2021

Wieder einmal einen weiteren Lockdown überstanden. Diesmal hat er nicht so lange gedauert. Dem Herrn sei Dank. Das Klavierüben und -spielen ohne Einwirkung von außen ist anstrengend und langweilig zugleich. Im ersten konnte ich noch aktiver sein und war in der Lage für den Klavieraccount bei Instagram einige Sachen aufzunehmen. Aber habe dort nun schon lange nichts mehr veröffentlicht. Hatte mir damals die „Kleine Gasse“ von Bartok vorgenommen, und den „Little Shepherd“ von Debussy einstudiert. Diesmal arbeitete ich an „Greensleaves“, der „Melodie“ von Schumann und der kleinen Etüde von Kabalewski.

Der Schumann macht mir viel Freude. Ich finde, für meine Verhältnisse klingt er schon ganz gut. Ich mag die überraschenden Harmonien und verweise auf meine Lieblingsstellen. Mein klassischer Klavierlehrer sagt: „Willkommen in der Gedanken- und Harmonienwelt von Schumann“.
Die Etüde soll ich auswendig spielen können. Ich muß aber fast jedes Mal an der oder den gleichen Stellen abbrechen. Die Fingersätze sind sich sehr ähnlich, aber eben doch nicht gleich. Ich, mein Hirn und die Finger kommen durcheinander. Fang dann halt nochmal von vorne und hoffe in der nächsten Runde etwas weiter zu kommen. Leider bin ich beim Auswendigspielen so konzentriert, das ich das mit dem Pedaleinsatz wieder vergesse. Aber vielleicht bekomme ich das mit der Zeit auch noch hin.

Er macht mit mir ein paar Tonleiterübungen. Zum Teil sind dabei die Fingersätze anders. Sie fangen nicht immer mit dem ersten oder fünften Finger an. Wir starten das Projekt jede Woche aufs Neue. Das ist eine gute Einstimmung auf die Stunde und es langweilt mich kein bisschen. Aber die Übungen gehen zum Teil verloren, wenn ich sie nicht täglich übe. Was leider zur Zeit wieder oft der Fall ist.

In der Arbeit bricht eine nach der anderen Kollegin zusammen. Eines Tages haben 9 Personen gefehlt. Vier waren im Urlaub und fünf erkrankt. Vier von ihnen sind nun längerfristig nicht mehr einsetzbar. Das Pflegepersonal ist ja nicht erst seit gestern im Ausnahmezustand. Ich habe keine Vorstellung wie diese Situation weitergehen soll. Und sie macht mir Angst, weil auch ich nicht so belastbar bin, wie ich im Verlauf der letzten Jahre festgestellt habe.
Dieses immer wieder einspringen müssen und Dienste übernehmen, jedes zweite Wochenende zu arbeiten, zusätzlich 3 bis 5 Abenddienste in der Woche erlauben kein wirkliches Privatleben. Bin oftmals sehr ausgelaugt und fühle mich häufig wie betäubt.
Dabei wäre es gerade die Musik und das sich-damit-beschäftigen was Kraft spendet und so wundervoll ist. Und dafür fehlt mir jegliche Energie.

Wenn ich diese Situation im Unterricht andeute, fühle ich Verständnis und Nachsicht bei beiden Dozenten. Dennoch ist es für beide Seiten frustrierend und es macht mich traurig, weil der Fortschritt auf der Stelle verbleibt und ich nicht wirklich weiter komme.

Im Jazzpianounterricht verliert der Dozent trotzdem weiterhin nicht seine Nerven mit mir wenn wir die Rhythmikübungen machen. Fußtappen, zählen und Akkorde und Melodie spielen. Alles gleichzeitig.
Ich will jetzt nicht herumjammern, denn ich wollte es ja so. Bin ein bisschen froh, das ich weiter damit gefordert werde, weil ich selbst sofort in die Vermeidungsstrategie verfallen würde.

In einer der letzten Stunden ist mir ein etwas peinlicher Fehler unterlaufen. Ich versuche normalerweise beide Dozenten bei Erzählungen auseinander zu halten, in dem ich in der Regel den einen als den klassischen Klavierlehrer bezeichne und den anderen als den Jazzpianodozenten. In der Jazzpianostunde habe ich mich versprochen und von meinem "richtigen", also dem klassischen Klavierlehrer gesprochen. Ist leider sofort aufgefallen, der Jazzpianodozent ist zwar erstmal in Gelächter ausgebrochen. War mir aber ein wenig unangenehm, denn es sollte wegen dem Altersunterschied keine Art von Ranking geben.

 

Architektzr

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